Adam Ziege „weggentrifiziert“

Adam Ziege „weggentrifiziert“

Das Aus für den Off Space und die Louise 87.

Die Galerienlandschaft Dresdens ist glücklicherweise vielfältig und lädt auch mal zum Wandern ein. Den besonderen Charme machen dabei seit jeher vor allem die vielen kleinen, alternativen Kunsträume aus. Traurigerweise ist die Neustadt ab jetzt um einen dieser Räume ärmer. Der Off Space Adam Ziege muss ausziehen, ein neues Dach über den Künstlerköpfen ist bisher nicht in Sicht.

Der Grund ist klassisch: Das Haus wurde an einen neuen Eigentümer verkauft. Für das Mietobjekt Louisenstraße 87 und zwei weitere Häuser auf der Talstraße hat sich ein neuer zahlungskräftiger Besitzer gefunden. „Der hat uns sofort gekündigt“, sagt ein Sprecher von Adam Ziege, jahrelanger Wegbegleiter und Ausstellungskoordinator. Nun werden die Häuser renoviert. „Es sollen schöne, neue und teure Wohnungen für finanzkräftigere Menschen entstehen. Wir haben nicht so viel Geld. Deswegen bleibt ein Neueinzug ausgeschlossen.“

Verlust von Neustadt-Flair?

Wie immer bei solchen szenebetreffenden Veränderungen bleibt der fade Nachgeschmack nicht aus. Wie wirken sich solche Verluste auf das Flair des Viertels aus? Es verschwindet ja nicht nur ein Raum des Austausches für Kunstschaffende und Kunstinteressierte – auch wenn das allein schon bedauerlich genug wäre. Es ändern sich notgedrungen auch die Neustädter. Denn so wie dem Off Space geht es allen verbleibenden Mietern der Louise 87. Sie werden gedrängt auszuziehen oder wurden schon gekündigt.

Das bevorstehende Ende hatte sich bereits im Lauf des letzten Jahres nach und nach angedeutet. Gewissheit gab es dann Ende 2012, die Kündigung kam Anfang dieses Jahres. 2007 war der Off Space Adam Ziege gegründet worden. Die Initiatoren sind freundschaftlich verbundene Kunstaffine. Der Freundeskreis kümmerte sich um Künstler, Vernissagen, PR, Verpflegung, schmiss den Laden. Bis zuletzt.

Bedauerlicherweise verschwindet nun ein Ort für das lebendige und inspirierende Aufeinandertreffen und Zusammenwirken von Künstlern, Kunstinteressierten, Musikern, Fotografen und anderen Kreativen. Bei Adam Ziege sind viele Projekte, Zusammenarbeiten und neue Ideen entstanden, auch unter überregionalen und internationalen Einflüssen. Als Voraussetzung dafür geben die Verantwortlichen das sehr warme, zum Teil familiäre Umfeld an. Mittlerweile bleiben auch wütende Reaktionen nicht mehr aus. Besucher und Macher ärgern sich über „die Macht der Leute, die durch viel Geld und Einfluss eben diese Möglichkeiten haben und sie auch unsensibel nutzen“, so der Vertreter von Adam Ziege. Außerdem mussten viele bereits geplante Ausstellungen abgesagt werden.

Neue Kunsträume schaffen

Wie geht es nun weiter? Wo trifft man sich? Wo stellt man künftig aus? Wie findet das kreative Potential der Agierenden ein neues Ventil? Die Zukunft ist ungewiss, die Verknappung von Kunstraum droht überall, die Verdrängung der Szene ist in aller Munde. Andererseits ist die Gentrifizierung ein fast natürlicher ökonomischer Prozess.

Wohin treibt es also die Kreativen, wenn man sie hier nicht mehr haben will? Werden bald in Löbtau neue Galerien und Ateliers entstehen oder gar in Striesen, Prohlis, Johannstadt? Nach dem Motto „Die Kunst ist ja nicht weg, sie ist nur woanders“? Zumindest aber kann man das hiesige künstlerisch-zeitgenössische Treiben weiterhin in dem Off-Space-nahen Blog artmovement.org weiterverfolgen.

Adam Ziege jedenfalls – da sind sich die Organisatoren sicher – war wichtig für das Viertel: „Besonders auch im Hinblick auf die Entwicklung der Neustadt zur Partymeile oder Wohngegend für reichere Leute. Dabei fallen eben kleinere Projekte wie wir hinten runter. Oder sind ganz offensichtlich im Weg.“

Am Freitag Abend kann man sich jedenfalls noch einmal auf eine Ausstellung freuen. Rüdiger Beckmann stellt sein Buch Beyond Vanity vor. Los geht’s 19 Uhr.

 

Der Kreis um Adam Ziege und die Louise 87 wird eine Abschlussveranstaltung halten. Der genaue Zeitpunkt wird über Facebook bekannt gegeben.

Fotos: Adam Ziege

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